Amtliche Statistik der BA veröffentlicht
Zeitarbeit ist Konjunkturindikator in Deutschland

17.10.07 bza // Der Konjunkturaufschwung in 2006 hat zu einem neuen Höchststand in der Zeitarbeit geführt. Am Stichtag 31.12.2006 waren 631.076 Menschen (+ 35,9%) nach dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz beschäftigt. Davon waren 546.832 Mitarbeiter bei Zeitarbeitunternehmen* unter Vertrag. Das sind 155.760 Mitarbeiter mehr als im Vorjahr (+ 39,8%). Von dem Konjunkturaufschwung profitieren auch die Langzeitarbeitslosen. Rund 15,3% der Neueinstellungen waren zuvor über ein Jahr arbeitslos. Fünf Jahre zuvor waren dies nur 8,3%. Insgesamt waren 69,3% aller Neueinstellungen zuvor ohne Beschäftigung. Das sind die wesentlichen Ergebnisse der nun veröffentlichten Daten der Bundesagentur für Arbeit.
BZA-Präsident Volker Enkerts: „Zeitarbeit ist und bleibt ein wichtiger Integrationsfaktor für Schwervermittelbare in den deutschen Arbeitsmarkt und trägt damit nicht unwesentlich zur Entlastung der deutschen Sozialsysteme bei.“ Neben diesen Effekten besteht jedoch die Kernfunktion der Zeitarbeit in der Schaffung von Flexibilität für die Wirtschaft. Mit dieser Flexibilität trage die Zeitarbeit maßgeblich zur Standortsicherung vieler Unternehmen in Deutschland bei. „Zudem bestätigt sich, dass die Zeitarbeit der Konjunkturindikator in Deutschland ist“, so Enkerts, „weshalb sie auch enorme Wachstumsraten in 2006 verzeichnete“. Der Aufschwung habe jedoch für die Zeitarbeit den Höhepunkt erreicht. Das belegt der IW Zeitarbeitindex (BZA), der für den Zeitraum Juli bis August 2007 ein Wachstum von 0,7% ermittelt hat. Der Grund liege auf der Hand. Es fehle bereits an qualifiziertem Personal. Das spüre die Zeitarbeit, aber auch die Industrie. Enkerts geht deshalb davon aus, dass sich der Anteil der Zeitarbeit in den Einsatzbetrieben wieder auf ein Normalmaß einpendeln werde. „Die Forderungen nach rechtlichen Beschränkungen der Zeitarbeit wären jetzt nur Gift für die gute Konjunktur und die Arbeitsuchenden. Und das kann ja wohl niemand ernsthaft wollen. Um soziale Standards in der Zeitarbeit zu sichern, ist es vielmehr an der Zeit, den von BZA und IGZ mit dem DGB abgeschlossenen Mindestlohntarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären“, so abschließend Enkerts.
Der Anteil an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrug zum Stichtag 31.12.06 im Gesamtmarkt 2,3 %. Tatsächlich liegt der Anteil allerdings im Vergleich zu anderen europäischen Ländern nur bei 1,4 %, da in diesen Ländern der Zeitarbeitsanteil an allen Erwerbstätigen gemessen wird. In Ländern wie Frankreich und den Benelux-Staaten liegt die so genannte Penetrationsrate schon seit einigen Jahren bei 2,5 bis 3%. Deutschland hat somit noch einigen Nachholbedarf. Der BZA schätzt den Umsatz für das Jahr 2006 auf rund 11,8 Mrd. EUR. Da sich jedoch das Wachstum der Branche seit August 2007 abgeschwächt habe, erwartet der BZA für das laufende Jahr ein Wachstum auf normalem Niveau von rund 10%.